hab kürzlich von einem Gerät namens Battwatch gelesen das frühzeitig vor
Defekten des Ladestromkreises und der Batterie warnen soll. Man soll für 10
sekunden das Abblendlicht einschalten und Battwatch kann dann anhand der
Entladekurve den tatsächlichen Batteriezustand feststellen. Was ist davon zu
halten?
Nix. Grad gar nix. Habe gerade mal ein wenig gegoogelt und habe bei Conrad (ich schäme mich schon zuzugeben, daß ich überhaupt da vorbeigesurft bin) ein Gerät namens "BattWatch 2000" mit Lizenz zur Verwendung des ADAC-Logos gefunden. Das Gerät kann nicht mehr, als ein normales ordentliches China-Billich-Multimeter auch (EK etwa 7,95€), kostet aber 35€ für das hübsche ADAC-Logo drauf und die schicke Eier-Form.
Auch dieses Gerät funktioniert nach dem gleichen Prinzip, das schon mein ehemaliger Scheff der Wahnfried immer predigte: "Alles, was bunt blinkt, kannst du für 5€ mehr verkaufen". Würde mich nicht wundern, wenn es in Kürze eine "deLuxe"-Edition mit blauer Kinderbeleuchtung für nochmal 5€ mehr geben würde.
Als Modell "2000" ist es ein schnödes Spannungs-Multimeter, das gleichzeitig zum Meßwert in Volt noch über 4 Lämplis anzeigt, zwischen welchen Grenzen die Spannung gerade liegt. (viel zu wenig, zu wenig, ok, zu viel). Diese Information kann man auch am eigentlichen Meßwert ablesen, Hausnummern dazu stehen in der "Bedienungsanleitung" des Geräts, wenn man sich für sowas interessiert ist man mit typischen Werten, die man irgendwann mal von seinem Auto kennt, besser bedient.
Als Modell "1000" hat es nur die 4 Lämplis.
Die magische Kristallkugel, anhand derer das Gerät ein baldiges Sterben der Batterie erkennt, funktioniert folgendermaßen: Wenn durch den 10sekündigen Licht-Test die Spannung unter den "viel zu wenig"-Wert absinkt, jammert es erbärmlich.
Um das festzustellen, langt es aber schon im Winter seinen Motor morgens wenns kalt ist anzulassen - man kennt irgendwann die üblichen Drehzahlen und die zugehörige Mühsal, die so ein Auto beim Starten auf sich lädt und hört eine sich langsam dem Ende zuneigende Batterie deutlich, bevor die magische Kristallkugel das erkennt.
Ansonsten ganz viel lustiges Pseudo-Hightech-Gebrabbel, köstlich amüsiert habe ich mich über die zu messende "Entladekurve". Eine grobe Annäherung an eine Kurve kann auch durchaus durch das Messen zweier Punkte erreicht werden - nichts anderes macht das Ding.
Nachteil im Vergleich zu autotypischen Erfahrungswerten: Das Gerät weiß nicht, ob das Auto ein Diesel oder Benziner ist (deutlich unterschiedlich dimensionierte Batterien heißt deutlich unterschiedliche Innenwiderstände heißt deutlich unterschiedliche Reaktion auf einunddieselbe Belastung), weiß auch nicht, ob es als Last klassische Glühbirnen oder blaue Gasentladungs-Außendienstrennfahrerbeleuchtung hat (völlig unterschiedlicher Stromverbrauch zwischen Glühfaden <-> Xenon), was auch wieder völlig andere Meßwerte nach 10s gibt.
Fazit:
Wenn du wissen willst, ob sich deine Batterie langsam neigt - hör deinem Auto morgens beim Anlassen zu. Für die Erkenntnis, ob deine Laderegelung innerhalb eines gesunden Bereichs arbeitet, hast du eine rote Kontrolleuchte in deinem Auto, die sowohl bei zu viel als auch bei zu wenig Spannung angeht.
Wenn du es genauer wissen willst, kauf dir ein normales Multimeter und bau es irgendwo im Armaturenbrett ein. Ist gerade wenn man bei ausgeschaltetem Motor längere Zeit Verbraucher betreiben möchte (Kühlbox, Subwuff, wasauchimmer) durchaus sinnvoll um zu sehen, wann man nachladen möchte. Kost ohne ADAC-Logo drauf deutlich weniger als mit.
Wenn du schicke buntige Beleuchtung im Armaturenbrett haben willst kauf das komische eiförmige Ding - auch wenn es wahrlich kein Zauberwerk ist und für seine Funktion einfach nur überteuert.
Meine persönliche Einschätzung....
chrysophylax.
(Nochn Jochen)