Als Antwort auf: Re: Faltschiebedach-Reparatur - Erfahrungsbericht von Bärbel Parske aus Essen am 22. Mai 2004 18:31:
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Hallo Bärbel,
leider habe ich keine Fotos gemacht, weil die Schrauberei selbst schon sehr nervig war und ich keine Lust auf zusätzliche Dokumentationsarbeit hatte...
Es lässt sich aber auch verbal halbwegs erklären, wie wir vorgegangen sind. (Nur bitte beachten: Es handelt sich hier um die aus der mehrere Tage alten Erinnerung heraus verfasste Beschreibung meines spontanen und nach einem gewissen Zeitaufwand erfolgreichen Versuchs, die Teile aus- und wieder einzubauen. Ich kann keinerlei Garantie dafür geben, dass es allgemein funktioniert und keine Schäden hinterlässt; auch weiß ich nicht, ob es nicht eine bessere Methode gibt.)
Und los gehts:
Das Skelett der Boxen besteht aus einem großen schwarzen Blechprofil, das mit der Karosserie verschraubt ist. Es macht Sinn, zunächst das Boxengehäuse aus Kunststoff soweit wie möglich von dem Blechprofilrahmen zu lockern. Zwar kann man das Gehäuse nicht komplett von seinem Rahmen ablösen (wahrscheinlich irgendwie geklipst, genietet, genutet oder was auch immer jedenfalls hatte ich den Eindruck, wenn man das voneinander trennt, bekommt man es nie wieder in der ursprünglichen Form zusammen...), aber durch die gelösten Schraubverbindungen ist das Gehäuse nicht mehr so verwindungssteif. Da der Kunststoff relativ biegsam ist, hat man so eine bessere Chance, nachher an die hintere Aufhängung zu gelangen.
Mit einem 30er-Torx (wenn man so was nicht im Haus hat: son preiswerter Winkelschlüssel, einzeln für gut 2,- z.B. bei Hornbach zu bekommen, reicht aus) vier Schrauben heraus drehen: Drei sitzen unten am äußeren Rand der Dachbox (d.h. ziemlich genau über den hinteren Seitenfenstern), eine weitere an dem Steg zwischen den Klappen.
Die Innenverkleidung der Dachboxen besteht aus dem gleichen Material wie der Dachhimmel und scheint ziemlich robust zu sein. Ich habe sie recht leidenschaftslos verbogen, ohne dass sie nachher nennenswert verknittert aussah oder ihre Form verloren hatte. Die Verkleidung ist genau in der Mitte der Box mit so einem schwarzen Kunststoffverschluss fixiert. Fixierung lösen. Wenn man das Plättchen vorsichtig mit einem Schraubenzieher anhebt, hat der Verschluss hohe Überlebenschancen und kann später wieder verwendet werden. Verkleidung an ihrer Oberkante soweit herunterbiegen, dass die dahinter liegenden Karosserieteile sichtbar werden. Das Skelett der Boxen besteht aus einem großen schwarzen Blechprofil, das an fünf Stellen (seitlich drei 10er Sechskantschrauben, vorne und hinten 10er Muttern mit U-Scheibe) mit der Karosserie verschraubt ist. Die drei seitlichen Schrauben sind, wenn die Innenverkleidung heruntergedrückt ist, durch die Klappen sehr gut zugänglich. Am besten Umschaltknarre mit einer mindestens 200 mm langen Verlängerung (oder vergleichbares Werkzeug) benutzen, dann kann man bequem von außerhalb schrauben, muss also nicht innerhalb der engen Boxen hantieren das kommt noch früh genug... <img src=http://bilder.parsimony.net/smilies/grmpf.gif alt=grmpf> Zwei dieser drei Schrauben halten das Profil mit einer Art Langloch, das unten größer ist; man braucht die Schrauben nur zu lockern und kann die ganze Box dann nach oben herausheben, wenn die drei anderen Schraubverbindungen alle gelöst sind. Allerdings fand ich es sehr fummelig und habe die Schrauben dann letztlich doch ganz herausgedreht.
Am vorderen Ende der Boxen befindet sich innen an der Stirnseite eine Mutter mit U-Schreibe. Auch dort Verkleidung wegdrücken und Steckschlüssel ansetzen. Die Mutter sitzt auf einem Gewinde, das an der Karosserie befestigt ist. Mutter ganz abnehmen. Weil die Dachbox an dem waagerecht nach hinten zeigenden Gewinde hängt, muss man sie zunächst nicht festhalten oder abstützen.
Nun kommt die eigentliche Herausforderung, nämlich die hintere Aufhängung.
Dazu Heckklappe (bzw. -tür) öffnen und von dort aus das Boxengehäuse soweit wie möglich von der Karosserie wegbiegen, um zunächst mal einen ersten Überblick zu bekommen... Vorsicht, ich kann wie gesagt nicht garantieren, dass der Kunststoff nicht doch an irgendeinem Punkt reißt oder bricht! Ist in meinem Fall aber gutgegangen.
Der Kern des Übels liegt nun in folgendem Umstand: An der hinteren Aufhängung gibt es zwei Schrauben, von denen theoretisch nur eine gelöst werden muss, um die Box abzunehmen. Aber:
Die halbwegs zugängliche von den beiden ist eine Mutter, die vgl. vorderes Ende auf einem senkrecht nach unten gerichteten Gewinde sitzt. Dieses Gewinde ist fester Teil des Blechprofilrahmens. Löst man nur diese Mutter, könnte man die gesamte Konstruktion, also Box mit Blechrahmen, nach oben herausheben, etwas nach innen (gewissermaßen Richtung dritte Bremsleuchte) neigen und dann auch aus dem vorderen, waagerechten Gewinde herausziehen. Nur nach oben herausheben geht nicht, denn da ist das Dach... Das senkrecht stehende Gewinde ist zu lang, um es aus dem Loch zu heben, durch das es von oben durchgesteckt ist. Die Idee, das Gewinde mit per Minitrennscheibe 10 oder 15 mm kürzer zu machen, habe ich schnell wieder verworfen. Ich fand es wenig erstrebenswert, an einer kaum zugänglichen Stelle ohne vernünftige Sicht, aber dafür mit nahezu absurd unnatürlicher Handhaltung zu flexen. Was die Trennscheibe bei einem Ausrutscher an Hand oder Unterarm anrichten würde, mochte ich mir gar nicht erst vorstellen. Also: Im Interesse der Arbeitssicherheit musste es einen anderen Weg geben, und da war ja noch die zweite Schraube.
Mit der anderen der beiden Schrauben ist ein mehr oder minder keilförmiges Blechprofil direkt an der Karosserie befestigt. Auf der Oberseite dieses Profils liegt der Rahmen der Box auf, d.h. in diesem Profil befindet sich das Loch, durch das das Gewinde gesteckt ist (s. oben). Der Haken liegt nun darin, dass die Schraube, die das keilförmige Teil an der Karosserie festhält, von den Seitenteilen dieses Keils eingerahmt wird. Könnte man an dieser Stelle einigermaßen mit einer Umschaltknarre arbeiten, würde es vielleicht besser gehen. Kann man aber nicht, weil es dort viel zu eng und unzugänglich ist.
Ich habe nur eine Lösung gefunden:
Einen 10er Ringschlüssel von hinten (also der Hecklappe aus) bei heruntergedrücktem Boxengehäuse zwischen den Seitenteilen des Keils ansetzen, Schraube soweit es eben geht (vielleicht 15 oder 20 Grad) drehen, neu ansetzen, usw. und die Prozedur viele, viele Male wiederholen. Verwendet keinen Maulschlüssel, sonst seid ihr dem Zusammenbruch nahe, weil man den jedes Mal zusätzlich wenden muss, um seinen leicht abgewinkelten Kopf dem neuen Stellwinkel der Sechskantschraube anzupassen. Der Ringschlüssel kann wegen seiner kleinen Zahnung immerhin leidlich problemlos angesetzt werden.
Vielleicht wäre es einen Versuch wert, mit einer sehr kleinen (!) Umschaltknarre von innen heraus zu arbeiten. Wahrscheinlich sind dann zusätzlich eine Verlängerung und ein Kardangelenk notwendig. Wir hatten jedoch keine Möglichkeit, auf die Schnelle an so ein Werkzeug dran zu kommen und haben es mit der Grad-um-Grad-Schrauberei dann am Ende auch geschafft.
Wenn die Schraube ´raus ist: Einer hält die Box am vorderen Ende, wo sie immer noch am Gewinde hängt, und mit einem kurzen Ruck nach hinten hat man sie in der Hand.
Dann: andere Seite, gleiches Vergnügen.
Nach zwei bis drei Stunden, also eine Faltschiebedach-Reparatur später: DER EINBAU!
Hinten in der Karosserie, am Übergang Heck zum Dach, sind in der Ecke je zwei Gewindelöcher zu sehen. In das obere kommt die Schraube, die das keilförmige Bauteil festhält, in das untere kommt der kleine Zapfen dieses Teils.
Zur Erinnerung: Der Blechkeil ist nach derzeitigem Stand fest mit dem Blechrahmen der Dachbox verschraubt (s. oben, Mutter auf senkrechtem Gewinde).
Nun wird die Box vorne in das waagerecht abstehende Gewinde eingehängt und locker mit der entsprechenden Mutter gesichert. Ab jetzt ist eine helfende dritte Hand fast unverzichtbar.
Man muss nun Folgendes schaffen: Die Schraube, die den Blechkeil wieder mit der Karosserie verbinden soll, von innen (!) unter Umfahrung diverser Blech- und Kunststoffkanten in ihr Gewinde zu stecken und ein paar Mal zu drehen, bis sie packt. Funktioniert das, läuft der Einbau tatsächlich jetzt einfach nur noch in umgekehrter Reihenfolge des Ausbaus ab:
Mit viel Geduld und 10er-Ringschlüssel von hinten die Schraube am Blechkeil fest anziehen,
die drei Sechskantschrauben an der langen Seite eindrehen,
die Mutter vorne ebenfalls festziehen,
mit den vier Torxschrauben das Gehäuse und das Rahmenprofil wieder fest miteinander verbinden,
die Innenverkleidung in die richtige Position bringen und mit dem Kunststoffpinn befestigen.
Fazit: In meinem Fall hat es auf einer Seite tatsächlich so funktioniert auf der rechtshänderfreundlichen linken Fahrzeugseite, weil ich dort mit dem rechten Arm weit nach hinten in die Dachbox greifen und die Schraube nach etwa 20 Versuchen einlochen konnte. Tipp: Verwendet einen kurzen, geraden 10er-Steckschlüssel (oder eine kurze Knarrenverlängerung). Alles andere ist für die Arbeit da drin zu groß. Wenn die Schraube im Schlüssel mit einem kleinen, wohldosierten Stück doppelseitigem Klebeband fixiert wird, fällt sie nicht so oft raus, nämlich nur 19- statt vielleicht 67-mal. <img src=http://bilder.parsimony.net/smilies/smile.gif alt=smile> Ein guter magnetischer Steckschlüssel wäre natürlich eine elegante Alternative.
Auf der rechten Seite, wo wir es linkshändig versuchen mussten, sind wir mit dieser Methode gescheitert.
In einem solchen Fall gehts dann wie folgt weiter; wie gesagt - der Blechkeil ist noch fest mit dem Blechrahmen der Dachbox verschraubt:
Zunächst schraubt man den Keil von der Box ab und an die Karosserie dran.
ENTWEDER wird er richtig fest geschraubt. Dann flext man das nun freiliegende Gewinde so weit ab, dass es über den anmontierten Keil gehoben und von oben in die entsprechende Bohrung eingeführt werden kann. Achtung: Gewindestumpf sorgfältig entgraten, man muss da später nochmal mit der Hand rein!
ODER, und so haben wir es gemacht: Man schraubt den Keil locker an die Karosserie an, so dass er sich noch gut nach unten drücken lässt. Damit gewinnt man die notwendige Höhe zwischen dem Bauteil und dem Fahrzeugdach, um die ganze Box-/Rahmenkonstruktion dazwischen zu schieben und das Gewinde von oben in das Loch heben zu können.
In beiden Fällen muss die Mutter nun von unten auf das Gewinde geschraubt werden. Bei der zweiten Variante folgt nun wieder die Geschichte mit der Geduld und dem 10er-Ringschlüssel. (Dafür hat man sich das Abflexen gespart.)
Alles Weitere wie oben: drei Sechskantschrauben seitlich, Mutter vorne, vier Torxschrauben und die Befestigung der Innenverkleidung.
Ich hoffe, diese Anleitung, die wie ich finde erschreckend umfangreich geworden ist, ist halbwegs verständlich, vollständig und hilft euch weiter.
Viel Erfolg und viele Grüße aus OB
Michael
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