Als Antwort auf: Re: TÜV-Renault-Test "bestanden" // undichte Wasserpumpe
( von D.P. am 22. Oktober 2005 13:52:
x3/36977.htm
Sorry Dirk,
aber das ist alles ein bißchen zu pauschal und oberflächlich.
Es gibt Bremsenfabrikate von Renault bei denen die Bremsaklötze zum verkanten neigen da nützt auch Kupfepaste nichts.
Zunächst mal: es gibt von Renault überhaupt keine Bremsenfabrikate. Bremsen sind auch bei Renault Zuliefererteile. (Ich wage fast zu behaupten, daß die selbst bei ihren Formel-1-Flitzern die Bremsen nicht selbst backen.)
Da Kupferpaste einerseits schmiert, und andererseits dem Festbacken von Abrieb auch in den Bremsbelagführungen entgegenwirkt, hilft sie durchaus, ein Verkanten der Beläge zu verhindern oder zumindest zu verringern.
Ich habe meinen Kangoo 1,9Tdi regelmäßig alle 15000km zur Inspektion und wurde darauf hingewiesen bzw. Ich habe es mir auch selbst vor der Inspektion zu hause angesehen.
Es ist löblich, daß du überdurchschnittlich zur Erhaltung von Arbeitsplätzen bei deiner Werkstatt beiträgst. Deswegen solltest du der Werkstatt aber nicht alles glauben. Ich habe z. B. mehr als einmal in Werkstätten erlebt, daß Arbeiten nur auf dem Papier, aber nicht am Wagen verrichtet wurden. Außerdem werden auch gerne Arbeiten für notwendig erklärt, die tatsächlich nicht unbedingt nötig sind, weil das eben Geld bringt. Es dürfte beispielsweise wohl kaum eine länger als 1000 Kilometer genutzte Bremsscheibe geben, die keine konzentrischen Riefen hat. Deswegen ist es aber nicht nötig, Bremsscheiben nach 1000 Kilometern zu wechseln (höchstens in der Formel 1). Entscheidend dürfte wohl sein, wie tief die Riefen sind, und was sie verursacht hat. Der Fingernageltest kann nur ein grober Anhalt sein, der ggf. meßtechnisch verifiziert werden muß. Sollten die Scheiben so eindeutig fühlbar am Ende sein, daß ein Austausch notwendig ist, dürfte keine Werkstatt das betroffene Auto selbstfahrend vom Hof lassen, ohne sich grober Fahrlässigkeit schuldig zu machen. Daß der TÜV gelegentlich ebenso unqualifiziert "prüft", ändert nichts an diesen Tatsachen (recherchier doch mal spaßhalber, wer die Mitglieder der TÜV e.V. sind...).
Daß Bremsen TÜV-relevante Sicherheitsteile sind, ist eine Binsenweisheit. Daß daran nicht "unqualifiziert" herumgebastelt werden sollte, ist wohl ebenso klar. Leider beherzigen das aber nicht alle Werkstätten. Mir und potentiellen anderen Opfern eines Unfalls infolge Bremsversagens würde es übrigens gar nichts nützen, wenn statt mir meine Werkstatt haften müßte - der Schaden wäre der gleiche.
Soll heißen: leider bietet die Ausführung von KFZ-Arbeiten in Werkstätten nicht die Gewähr, daß die Arbeiten immer bestmöglich und korrekt ausgeführt werden - nur die Haftungsfrage läßt sich eindeutiger beantworten.
Der erfahrene KFZ-Mechaniker, der bei meiner Bremsenrenovierung überwacht hat, daß ich nichts falsch mache, hat gesagt, daß die Arbeiten in keiner Werkstatt so sorgfältig gemacht werden würden, wie ich sie gemacht hätte - die gründliche Entkrustung und Reinigung von Belagträger, Sattel und Radnabe ist nämlich eine dreckige und zeitaufwendige Handarbeit, die sich eben nicht durch massives Aufsprühen von Bremsenreiniger ersetzen läßt. Aber nur saubere, bewegliche und mit Bedacht geschmierte Teile wirken der "Verkantungsneigung" der Beläge entgegen.
Bremsklötze müssen nicht mit Kupferpaste eingebaut werden
Ich kenne die Montagevorschriften bzw. -empfehlungen von Renault für Bremsen nicht (du etwa?). Nicht nur jahrzehntelange Erfahrung läßt es aber höchst sinnvoll erscheinen, "Bremsklötze mit Kupferpaste einzubauen".
(Eigentlich darf an der Bremse überhaupt nicht mit Schmiermittel gearbeitet werden)
Diese Behauptung ist so pauschal purer Unfug. Z.B. in der Führungshülse des Bremssattelgleitbolzens ist eine Schmierung unverzichtbar. Daß nicht nach Belieben ein nicht hochtemperaturfestes Schmiermittel an Bremsen verwendet werden, und auch nicht auf Scheiben oder Beläge aufgetragen werden darf, dürfte hingegen wohl auch dem Unbedarftesten klar sein, von denen zudem wohl auch nur die allerwenigsten auf die Idee kämen, selbst an ihrer Bremse zu arbeiten (hier ist schließlich trotz einiger Tuner nicht das "Manta"-Forum).
es gibt keine Verpflichting dazu.
Nein, es gibt nur die Verpflichtung, Bremsarbeiten mit größter Sorgfalt und möglichst optimalem Ergebnis bezüglich der dauerhaften Funktionssicherheit durchzuführen.
Das setzt aber eine pflegliche Behandlung und die regelmäßige Reinigung voraus (Spätestens alle 15000Km).
Pflegliche Behandlung ist selbstverständlich, wenn auch nicht immer möglich (weil ich nicht immer selbst bestimmen kann, wann und wie stark ich bremsen muß, oder ob Regenwasser eine erhitze Bremsscheibe schockkühlt).
Ein Bremsenreinigungsintervall von 15000 km dürfte normalerweise dicke ausreichen, wenn man an den richtigen Stellen etwas Kupferpaste aufträgt, und ansonsten auf die Anzeichen (z.B. typische Geräusche) von übermäßiger Verdreckung achtet, die durch unterschiedliche Einsatzbedingungen früher aber auch deutlich später auftreten kann. Ggf. ist der Wechsel von Sommer- auf Winterreifen und vice versa ein günstige Gelegenheit, eine Sichtprüfung der Bremsen vorzunehmen. Soll heißen: eine Bremsenreinigung ist nötig, wenn die Bremsklötze nicht mehr freigängig von der Scheibe abrücken, und nicht dann, wenn die Werkstatt gerne eine Rechnung schreiben würde.
Dem Vertragshändler ist also kein Vorwurf zu machen obwohl es im nachhinein ärgerlich ist.
Juristisch wohl nicht, wohl aber moralisch. Denn ein Renaulthändler sollte von den typischen "Neigungen" der Bremsen der "kleinen" Renaults wissen - und auch, was dagegen zu tun ist (u.a. sorgfältigst reinigen und Kupferpaste verwenden).
Wartungsintervalle werden von Automobilherstellern immer mit einer Sicherheitsmarge festgelegt. Sie lassen sich übrigens nachlesen, so daß sich keiner irgendetwas ausdenken braucht: von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ist der Wechsel des Steuerriemens bei neuzeitlichen Renaults nach Wartungsplan
bei 120.000 km "fällig". Martin sprach allerdings von den Bremsscheiben, die nach 60.000 eigentlich noch nicht "fällig" sein dürften - und empfahl, beim Austausch der Wasserpumpe den Zahnriemen (obgleich eigentlich noch nicht "fällig"
gleich mit ersetzen zu lassen (um Montagekosten zu sparen).
Ausgeglühte bzw. ausglühende Bremsscheiben bemerkt übrigens auch der Laie schnell durch den Gestank und die erheblich nachlassende bzw. ausbleibende Bremswirkung. Sollte er danach noch die Möglichkeit haben, sich die Scheiben anzusehen, würde auch ein Laie wohl zweifelsfrei erkennen, daß sie hinüber sind.
Wenn Beläge so stark schleifen, daß sie die Scheiben zum Ausglühen bringen, bemerkt man das. Anderenfalls sollte man bei so starker Unaufmerksamkeit nicht Autofahren, weil das zu gefährlich wäre.
Ich wüßte nicht, wie ein interessierter und verantwortungsvoller Laie bei Befolgung einer qualifizierten Anleitung bei der Bremsenmontage am Kangoo etwas so falsch machen könnte, daß ein Sicherheitsrisiko entstünde.
Verrätst du es uns, oder bist du selbst vielleicht so unqualifiziert, daß du zu diesem Thema nur verunsichernde Gemeinplätze reproduzieren kannst, die dir deine daran interessierte Werkstatt vorgebetet hat?
Gruß
Jan
x3/36977.htm